Rezension: Trojanische Saaten, GenManipulierte Nahrung
Detailverliebt
Die so genannte grüne Gentechnik gilt als sicher. Gentechnisch veränderte Lebensmittel seien, so sagen ihre Proponenten, besser untersucht als ihre konventionellen - und ökologischen - Gegenstücke. Warum das nicht stimmt, zeigt Jeffrey M. Smith in seinem Buch "Trojanische Saaten, GenManipulierte Nahrung - GenManipulierter Mensch". Detailverliebt - im äußerst positiven Sinne - legt er dar, welche Gefahren nachgewiesenermaßen in der neuen Technologie liegen und wie diese seit den ersten Zulassungen systematisch unter den Teppich gekehrt wurden und immer noch werden. Warum werden die wissenschaftlichen Arbeiten über gentechnisch veränderte Nahrungsmittel eines Arpad Pusztai so heftig kritisiert, aber nicht nachgekocht, wie es übliche Praxis in der Wissenschaftswelt sein sollte? Fragen wie diese verdeutlichen die Scheinheiligkeit, mit der auf ihr seriöses Erscheinen bedachte WissenschaftlerInnen oder auch MitarbeiterInnen von Zulassungsbehörden sich vor den Karren der Industrie spannen lassen. Der Autor schweift durch die letzten zirka 15 Jahre der Anwendung von Gentechnik, wobei die meisten seiner Beispiele notwendigerweise aus den USA kommen, ist doch dort die Entwicklung und Praxis am weitesten vorangeschritten. Aber sicherer werden die Produkte durch die bisher gemachten Erfahrungen nicht, so viel ist nach der Lektüre dieses Buches sicher. Ansichtssache – aber nicht nach dem Geschmack des Rezensenten - ist der Einkaufsführer von Greenpeace am Ende des Buches. Für sich genommen ist der Einkaufsführer eine große Hilfe in der aktuellen Diskussion und gleichzeitig eine gute Orientierung für KonsumentInnen. Aber: Ein Buch ist ein Buch und eine Einkausführer ist ein Einkaufsführer, abgesehen davon, dass die Umweltorganisation alle paar Monate eine aktuelle Version veröffentlicht. Der Platz hätte besser für ein umfangreicheres Glossar verwendet werden können. Nichtsdestotrotz ist die Lektüre der Trojanische Saaten ein Muss.
Christof Potthof war bis Ende April 2020 Mitarbeiter im GeN und Redakteur des GID.