1000 Fragen
Vom 18. bis zum 24. September wurde Berlin zur "Stadt der 1000 Fragen". Diese Veranstaltungswoche bildete den Abschluss des von der Aktion Mensch durchgeführten 1000 Fragen-Projekts zur Beteiligung der Öffentlichkeit an den bioethischen Debatten, in dessen Verlauf mehr als 8.500 Fragen und 35.000 Kommentare zusammengetragen worden waren. Verschiedene Organisationen boten Diskussionen, Lesungen, und kulturelle Veranstaltungen zum Thema Bioethik an. Auch das Gen-ethische Netzwerk war mit seinem Workshop "Gentests – Orakel der modernen Medizin?" dabei. Die Veranstaltung war gut besucht und es wurde rege diskutiert. Wie zu erwarten, waren hauptsächlich Gäste da, die sich bereits mit dem Thema beschäftigt hatten und gut informiert waren. Über eine ganz andere Erfahrung berichtete der Künstler Alf Thum aus Leipzig, der einen Teil des Abends gestaltete. Zwei Wochen lang hatte er einen fiktiven Genshop in Bremen betrieben. Seine Produktpalette umfasste fast alles, was die Fantasie hergab. Die Passanten griffen beherzt in die Regale, viele waren sogar bereit, ihre Adressen und weitere persönliche Daten zu hinterlassen. Kaum einer durchschaute die Inszenierung. Dadurch entstand der Eindruck, dass ein großer Anteil der Bevölkerung durch die Medien nicht ausreichend informiert ist. Um noch einmal auf die "Stadt der 1000 Fragen" zurückzukommen: Dort waren sich VertreterInnen überregionaler Zeitungen einig, bioethische Fragen ausreichend thematisiert zu haben. Der Genshop-Erfolg zeigte allerdings unserer Meinung nach, dass das Verhältnis zwischen den Medien und ihren KonsumentInnen nicht immer funktioniert. Wie wohl unsere LeserInnen reagiert hätten, bei derart verlockenden Angeboten?