In Bewegung
25 Jahre GeN
Mitglieder und FreundInnen des Gen-ethischen Netzwerk, KollegInnen aus anderen Initiativen und Organisationen, insgesamt knapp 50 Personen feierten mit uns Anfang September das 25-jährige Jubiläum des GeN. Hauptakt war die Bootsfahrt auf der Spree. Der Himmel war uns wohlgesonnen: Kaum hatte die Alexander den Kai in Berlin-Treptow verlassen, da verflogen auch schon die letzten kleinen Wölkchen. Eine Zeitachse aus den Erinnerungen der Anwesenden spannte den Bogen von der Gründungszeit bis heute - erzählte Geschichte...
EuGH-Urteil zu Gentechnik im Honig
2005 fand der Imker Karl-Heinz Bablok Pollen von gentechnisch verändertem Mais im Honig seiner Bienen. Da Bablok der Meinung war, dass dieser Honig nicht mehr zum Verkauf geeignet war, entsorgte er ihn in der Müllverbrennungsanlage in Augsburg. Den Freistaat Bayern verklagte er auf die Erstattung seiner Kosten.
Drei Fragen an Karl-Heinz Bablok:
Als „einfacher“ Imker bis vor das höchste Europäische Gericht - wie fühlt sich das an? Um ehrlich zu sein: Ich war total erschlagen. Ich bin an diesen Fall ja eigentlich ganz naiv herangegangen und konnte nicht im Geringsten ahnen, dass er diese Ausmaße annehmen würde. Der Freistaat Bayern hat vor meiner Haustür diesen gentechnisch veränderten Mais angebaut. Eigentlich sollte der Freistaat mich doch davor schützen! So gesehen verfahre ich da ganz nach dem St. Floriansprinzip: Ich will dieses Zeug nicht in meinem Honig haben und deshalb will ich den Anbau auch nicht in dem Flugradius meiner Bienen.
Was ist für Sie das Wichtigste an dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs? Insgesamt ist für mich am allerwichtigsten, dass es das Anbauverbot für den gentechnisch veränderten Mais gibt. Auch die Reaktion des Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Herr Sonnleitner, ist sehr hilfreich. Denn sollte das Anbauverbot aufgehoben werden, hat es sicher einen großen Einfluss auf die Landwirte, wenn ihr Präsident vor den mit einem Anbau verbundenen Haftungsrisiken warnt. Sehr wichtig war natürlich die Unterstützung durch die anderen Imker, allen voran von Thomas Radetzki vom Verband Mellifera - ohne sie hätte ich das nicht durchhalten können.
Wie geht es weiter? Konkret muss jetzt die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner sehen, wie sie dieses Urteil umsetzt. Was bedeutet das Urteil für andere Produkte, in denen Honig als Süße eingesetzt ist, zum Beispiel Lebkuchen oder Pollenprodukte im Reformhaus? Für mich selbst ist es mit dem Spruch des EuGH nicht zuende. Der Fall geht jetzt zurück an den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Die dortigen Richter müssen über die Maßnahmen zum Schutz meiner Bienen entscheiden. (Siehe auch den Beitrag „Monsanto pokert oder hat Angst“ auf Seite 34 in diesem Heft)
Die Kunst, sich unsichtbar zu machen...
...und trotzdem sichbar zu bleiben - der Traum eines jeden Aktivisten, einer jeden Aktivistin. Eine Lehrstunde dieser besonderen Fähigkeit gab der ehemalige Hochschul-Dozent, Buchautor und Agrar-Aktivist Sigmar Groeneveld am 6. September im sachsen-anhaltischen Üplingen. Mit einem etwa sechs Meter hohen Dreibein (Tripod) hatten sich eine Kletterin und ein Kletterer aus Anlass des diesjährigen InnoPlanta-Forums vor der Einfahrt zum Stiftsgut in Üplingen positioniert. Da der Untergrund Asphalt für die Standfestigkeit eines solchen Gerüsts nicht ganz unproblematisch ist - und wohl auch, weil sich Solidarität nicht zuletzt durch körperliche Nähe darstellt - harrte Groeneveld über Stunden an einer der drei Stangen des Dreibeins aus. Alle anderen Aktivistinnen und Aktivisten, Demonstratinnen und Demonstranten und sonstige Zivilisten wurden im Laufe der Aktion von den örtlichen Polizeikräften aus der unmittelbaren Umgebung des Dreibeins vertrieben beziehungsweise ferngehalten. Nicht so Sigmar Groeneveld. Nicht zu vergessen: Das InnoPlanta-Forum ist das alljährliche Stell-Dich-Ein der Agro-Gentechnik-Lobby. Seit ein paar Jahren konzentriert sie sich in dem 100-Einwohner-Dorf Üplingen, wo auch die BioTechFarm, ein „Streichelzoo“ für gentechnisch veränderte Pflanzen zu finden ist.
GID-Redaktion erhält „Sonderpreis für das Gesamtwerk“
Die Redaktion des GID wird mit dem Salus Journalistenpreis 2011 ausgezeichnet. Aus gegebenem Anlass zitieren wir hier aus der Mitteilung an die Redaktion: „Die Fachzeitschrift GID ist seit nunmehr 26 Jahren das einzige deutschsprachige Fachmagazin, das regelmäßig über sämtliche Gebiete der Gen- und Fortpflanzungstechnologien informiert. Die Beiträge sind durchgängig von fachlich höchstem Niveau. Dafür verdient - nach einstimmiger Entscheidung der Jury - die Redaktion einen Sonderpreis für das Gesamtwerk.“ Dem haben wir für den Moment nichts hinzuzufügen. Vielen Dank! Die Übergabe des Preises findet am 27. Oktober 2011 in München statt.
Patente: Demonstration am 26. Oktober in München
Anlässlich zweier Anhörungen zu den Patenten über konventionell gezüchteten Brokkoli und Tomaten im Europäischen Patentamt in München ruft die Koalition No Patents on Seeds am 26. Oktober zu einer Demonstration in München auf. Ruth Tippe, Sprecherin der Initiative Kein Patent auf Leben!: „Am 26. Oktober wird endgültig entschieden, ob konventionell gezüchteter Brokkoli patentierbar ist, oder nicht. Unsere Präsenz ist - mal wieder! - sehr wichtig: Als Signal an das Patentamt und als Signal an die Politik.“ Die Hauptkundgebung beginnt um 11:00 Uhr. Treffpunkt ist ab 9:00 Uhr das Europäische Patentamt (München, Erhardstraße 27). Das Gen-ethische Netzwerk unterstützt diesen Aufruf.
Nachruf
Nach mehrjähriger schwerer Krankheit ist Helen Holder Ende August im Alter von nur 38 Jahren gestorben. Helen war Mitarbeiterin im Brüsseler Büro der Umweltorganisation Friends of the Earth und eine tragende Säule der europäischen Kritik an Agro-Gentechnik, industrialisierter Landwirtschaft und dem Big Business. Wir werden sie schmerzlich vermissen...
Ein Sommer gegen Sammelwut
Gegen biologische Dimensionen staatlicher Überwachung richtete sich eine Vielzahl von Aktivitäten des GeN in den vergangenen Monaten. Wir trafen den Berliner Landesdatenschutzbeauftragten, der unsere Bedenken gegen die Expansion der DNA-Datenbank beim Bundeskriminalamt teilt, und brachten die Konferenz der Landesdatenschutzbeauftragten dazu, sich mit unseren Forderungen zu befassen. Wir diskutierten auf Märkten, Straßen und Plätzen mit PassantInnen, informierten in Radiosendungen und auf Veranstaltungen über Praxis und Planungen rund um die DNA-Profilanalyse und demonstrierten vor dem Büro der EU-Kommission in Berlin gegen die europaweite Vernetzung polizeilicher DNA-Datenbanken. Willi Watte, Maskottchen der Kampagne, begleitete die Aktionen mit Engagement und ergriff nicht selten selbst Initiative. So hielt das derzeit wohl politisch aktivste Wattestäbchen der Bundesrepublik eine flammende Rede auf der großen Demonstration „Freiheit statt Angst“ in Berlin. Auch umzingelte es gemeinsam mit einigen Freunden vom GeN und vielen kleinen Wattestäbchen die Berliner Nebenstelle des Bundeskriminalamtes. Die symbolische Aktion nahm die Polizei zum Anlass, ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz zu eröffnen. Ob die AktivistInnen wohl DNA-Proben abgeben müssen? Schließlich sind sie Wiederholungstäter. Und das bleiben sie auch - solange, bis die DNA-Sammelwut der Polizei gestoppt ist!
GID-Redaktion
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