Über den Tellerrand...


Die Schlagzeile des letzten Monats heißt: US-Gericht hebt Patent auf BRCA-Gen auf! Wenn das keine Ermutigung ist - unermüdlich setzt sich Ruth Tippe mit „Kein Patent auf Leben!“, zusammen mit dem GeN, seit Jahren dafür ein, dass dieser Schauplatz der Kommerzialisierung Vergangenheit wird. In diesem GID schauen wir ein wenig über den Tellerrand. Neurowissenschaften sind kein ausgewiesenes Thema der Gentechnik-Kritik. Biologisierung allerdings sehr wohl. Die Neurowissenschaften bilden Schnittstellen zwischen individueller Gesundheit und gesellschaftlicher Kontrolle, zwischen Herrschaft und Widerstand, zwischen Technik und Natur - und zwischen Genetik und Umwelt. Das Hirn, so scheint es, fungiert in Forschung und Diskurs als ein Bindeglied zwischen Genomforschung, Eugenik und Kontrolle per Selbstführung. Das leitende Paradigma heißt „Kooperation“. So auch neulich im Aufmacher in Gehirn & Geist, dem „Magazin für Psychologie und Hirnforschung“: Umwelt und Genetik, heißt es dort, seien die längste Zeit Kontrahenten gewesen. Tatsächlich würden nämlich Umwelteinflüsse und die biologische Plaste kooperieren. Der Biologismus, mit dem wir heute rechnen müssen, tritt im Rahmen dieses neuen Paradigmas auf. Unser Eindruck ist also, dass man ruhig öfter mal über den Tellerrand schauen sollte. Fragt sich, was unsere Leser und Leserinnen denken...
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GID-Redaktion

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