Crash-Test für Gen-Mais - Unabhängige Risikoforschung stärken!
Berlin und Bonn, Mai 2008. Unterstützt von mehreren Verbänden und Stiftungen hat das Gen-ethische Netzwerk (GeN) einen Aufruf an Bundesminister Seehofer und die EU-Politik gestartet, in dem ein Kurswechsel in der Risikobewertung der Agro-Gentechnik gefordert wird. Crash test for GM maize - Strengthen independent risk research The petition and the background material is also available in English.
Aufruf für mehr unabhängige Risikoforschung in der Agro-Gentechnik Forderungskatalog an Seehofer und EU-Politik (Die Aktion ist bis mindestens Frühjahr 2010 verlängert.)
Die Organisationen fordern unter anderem, dass Unternehmen, die mit gentechnisch verändertem Saatgut handeln, zehn Prozent ihres Umsatzes in einen unabhängigen Fonds einzahlen, mit dem eine umfassende und unabhängige Risikoforschung gefördert werden soll. Wie die Praxis der EU-Zulassungen zeigt, gibt es derzeit kaum systematische und kritische Untersuchungen. Die meisten Untersuchungen werden von den Firmen selbst durchgeführt, die Behörden akzeptieren deren Dokumente in der Regel ohne weitere Prüfung.
„Die Diskussion um den gentechnisch veränderten Mais MON810 zeigt, dass dieser bisher nicht wirklich umfassend auf Risiken geprüft wurde. Um das zu ändern, müssen die Rahmenbedingungen grundlegend geändert werden,“ sagt Christof Potthof vom Gen-ethischen Netzwerk, der vor Ort in Bonn die Aktion begleitet. „Aus guten Gründen ist MON810 derzeit in sechs europäischen Ländern verboten: in Frankreich, Griechenland, Österreich, Polen, Rumänien und Ungarn.“
Der gentechnisch veränderte Mais MON810 der Firma Monsanto produziert ein Insektengift, das über Pflanzenteile, Pollen und Wurzeln in die Umwelt gelangt. Davon sind nicht nur die Schadinsekten, sondern auch andere Lebewesen und deren Ökosysteme betroffen, wie verschiedene Untersuchungen zeigen. Bekannt ist, dass der Gehalt an Insektengift - in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren - sehr stark schwanken kann. Es gibt es aber keine umfassenden Untersuchungen darüber, wie groß die Schwankungen sind oder durch was sie ausgelöst werden. Jedenfalls wurden dazu bis heute keine detaillierten Daten veröffentlicht. Eine schwankende Bt-Konzentration kann unter anderem dazu führen, dass sich bei sogenannten Fraß-Schädlingen schneller Resistenzen gegen das Gift bilden, und dass sich das Risiko für Nicht-Zielorganismen wie z.B. Bodenorganismen oder Raupen anderer Schmetterlinge erhöht.
Die Aktion ist verlängert bis Ende Mai 2010.
Materialien
- Pressemitteilung
- Aufruf mit Unterschriftenliste (pdf-Dokument, 130 KB)
- Flyer zum Crash-Test (pdf-Dokument, 130 KB)
- Crash test for GM maize - Strengthen independent risk research: The petition and the background material is also available in English
- Flyer zu gv-Mais MON810 „Beobachten oder Verbieten?".
- Präsentation „A simple question in a complex environment: How much Bt do genetically modified maize plants actually produce?“ gehalten auf der Konferenz „GMLS - International conference on Implications of GM crop cultivation at large spatial scales“, 2. bis 4. April 2008 in Bremen.
- Artikel „A simple question in a complex environment“ - Dokumentation des in Bremen gehaltenen Vortrags - in englischer Sprache. (pdf-Dokument, 156 KB)
Wir fordern:
- Die Konzerne, die mit gentechnisch verändertem Saatgut handeln, sollen zehn Prozent ihres Umsatzes in einen unabhängigen Fonds einzahlen, mit dem eine umfassende und unabhängige Risikoforschung gefördert werden soll. Zudem müssen sie allen Wissenschaftlern Zugang zu geeignetem Untersuchungsmaterial gewähren.
- Das Prinzip der Risikountersuchung muss verändert werden: Transgene Saaten müssen einer Art „crash-test“ unterzogen werden, um ihr tatsächliches Gefahrenpotential besser abschätzen zu können. Es reicht in Zukunft nicht mehr, festzustellen, dass Risiken nicht bewiesen sind, es muss vielmehr die Unbedenklichkeit für die Umwelt belegt werden.
- Die Zulassungsverfahren müssen hinsichtlich der Zusammensetzung der Experten und der vorgeschriebenen Prüfverfahren völlig neu ausgerichtet werden, u.a. soll die Expertise von Verbraucher- und Umweltverbänden stärker berücksichtigt werden.
- Da die bisherigen Untersuchungen nicht ausreichend sind, um das Risikopotential der gentechnisch veränderten Pflanzen zu überprüfen, müssen deren Import und Anbau in der EU ausgesetzt werden.
[img_assist|nid=1060|title=|desc=|link=none|align=left|width=250|height=73] Bioland e.V., Bio Austria, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), Campact e.V., foodwatch e.V., die Stiftung GEKKO, die Gesellschaft für ökologische Forschung e.V., die Initiative „Kein Patent auf Leben!“, der Naturschutzbund e.V. (NABU), tegut - gute Lebensmittel, die Zukunftsstiftung Landwirtschaft und viele Einzelpersonen.
Kontakt
Gerne schicken wir Ihnen Informationsmaterial, Unterschriftenlisten und weiteres per Post zu. Bitte wenden Sie sich an: Christof Potthof Gen-ethisches Netzwerk e.V. Brunnenstraße 4 10119 Berlin christof.potthof @ gen-ethisches-netzwerk.de
An diese Adresse können Sie auch ausgefüllte Unterschriftenlisten zurückschicken.