Rezension: Food Crash

Damit Sie gleich von Anfang an wissen, wo der Hase lang läuft, platze ich mit der wichtigsten Botschaft gleich heraus: Sie müssen dieses Buch lesen. Auch wenn über viele der hier zusammengetragenen Informationen und Geschichten zu den Krisen dieser Welt und den Wegen ihrer Bewältigung (ohne dem Autor, Felix zu Löwenstein, zu nahe treten zu wollen) mit Fug und Recht gesagt werden kann, dass schon alles gesagt worden ist - aber eben noch nicht von jedem. Alleine die Idee zu einem Max-Planck-Institut für ökosystemare Agrarforschung verdient schon Beifall und - wenn man es als Ritterschlag für eine Idee verstehen will - zwischen zwei Buchdeckel gebunden zu werden. Ein anderes Beispiel soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Clou an dem Buch eben nicht diese Episoden und Geschichten sind. Nicht die guten Erfahrungen des ökologischen Landbaus, nicht die katastrophalen Folgen der industrialisierten Landwirtschaft, die auf den massiven Einsatz von Energie (die wir in Zukunft nicht mehr haben werden) und Chemikalien (von denen wir heute schon viele nicht mehr vertragen) setzt. Der Clou ist, dass Löwenstein die Dinge in ihre Zusammenhänge bringt. Aber jetzt noch schnell die zweite Episode: Der Autor erzählt von der Forschung zur Resistenz konventionell gezüchteter Maissorten gegen einen Fraß-Schädling, den Maiswurzelbohrer. Frei nach dem Motto „Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde“ lockt der Mais selbst die Feinde des Maiswurzelbohrers an. Das Saatgutunternehmen, das diese Forschungen verfolgt hatte, wurde von einem Chemiekonzern gefressen. Dieser stellte das Projekt alsbald ein, da die Firma eine gentechnisch veränderte Sorte im Programm hat, mit der sie gegen den Maiswurzelbohrer mobil macht. Hier kann der geneigte Leser, die geneigte Leserin die Zusammenhänge selbst herstellen, an vielen anderen Stellen unseres Systems Landwirtschaft und Ernährung ist es gut, Felix zu Löwenstein an seiner/ihrer Seite zu haben.
Christof Potthof
Felix zu Löwenstein: Food Crash - Wir werden die Erde ökologisch ernähren oder gar nicht. Pattloch-Verlag (2011), 303 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-629-02300-1.

GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
208
vom Oktober 2011
Seite 54

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