Entwicklungspfade globaler Landwirtschaft

Einführung

Im Schwerpunkt betrachten wir die Agro-Gentechnik als Teil eines industriellen, von Agrarkonzernen dominierten Landwirtschaftsmodells, und geben Einblick in den globalen Kampf um Alternativen. Im Mittelpunkt stehen Landwirtschaften in Ländern des Globalen Südens.

Der Markt für gentechnisch verändertes Saatgut ist hoch konzentriert, über die Hälfte des Umsatzes wird von einer Handvoll globaler Konzerne gemacht - Anteil steigend. GID-Redakteurin Anne Bundschuh beleuchtet die Forschungs- und Entwicklungspipelines der Gentechkonzerne Monsanto, Pioneer und Syngenta. Dabei fiel ihr auf, dass das ein oder andere Projekt offensichtlich in der Versenkung verschwunden ist; die Unternehmensumsätze werden wohl weniger durch Innovation als durch die Ausweitung altbekannter Geschäftsstrategien gesichert.

Neben den Konzernen spielt eine weitere Kategorie nicht-staatlicher Akteure eine ebenso gewichtige wie intransparente Rolle in der Finanzierung landwirtschaftlicher Forschung und Entwicklung: philantropische Stiftungen. Eine Zusammenarbeit mit den globalen Konzernen ist dabei keineswegs ausgeschlossen, wie das Projekt „Water Efficient Maize for Africa“ zeigt, bei dem unter anderem die Bill und Melinda Gates-Stiftung mit Monsanto kooperiert. Ziel des Projektes ist die Entwicklung von gentechnisch verändertem, trockentoleranten Mais. GID-Redakteur Christof Potthof wirft einen Blick auf dieses Projekt und lässt dabei auch die südafrikanische Nichtregierungsorganisation African Center for Biodiversity (ACB) zu Wort kommen, die kürzlich einen neuen Bericht zu dem Thema veröffentlichte.

Bäuerinnen und Bauern stärken

Die Kritik am Agro-Business und seinen Geldgebern ist die eine Seite der Medaille, die Förderung von Alternativen die andere. In diesem Sinne arbeiten bei der philippinischen Organisation MASIPAG Bäuerinnen und Bauern mit WissenschaftlicherInnen und ZüchterInnen zusammen. MASIPAG verfolgt dabei in erster Linie das Ziel, seine Mitglieder in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen. Die Organisation ist zudem Teil einer philippinischen Koalition, die sich gegen den gentechnisch veränderten Goldenen Reis wendet. Charito P. Medina erzählt im Interview von der Arbeitsweise MASIPAGs.

Öffentlich-private Partnerschaften

Auch Luis Muchanga vom mosambikanischen Kleinbauernverband UNAC berichtet im Interview vom Kampf der Kleinbauern und -bäuerinnen gegen die Aufdrängung des agroindustriellen Modells durch den Globalen Norden. Muchanga kritisiert unter anderem das von den Industriestaaten propagierte Modell der Ernährungssicherheit und streitet stattdessen für Ernährungssouveränitat: Dabei geht es nicht nur um das Bereitstellen einer ausreichenden Menge an Kalorien, sondern unter anderem um das Recht, selbst zu entscheiden, welche Nahrung genutzt wird. Mosambik ist eines der Zielländer der Neuen Allianz für Ernährungssicherheit, das die G7/G8-Staaten 2012 starteten. Derartige Entwicklungsprogramme werden zunehmend als öffentlich-private Partnerschaften durchgeführt. Dass Agrarkonzerne hiervon häufig mehr profitieren als die lokale Bevölkerung, zeigt Marita Wiggerthale, Mitarbeiterin der Entwicklungsorganisation Oxfam, auf.

Ein Schwerpunkt über die Rolle der Agro-Gentechnik in der Globalen Landwirtschaft wäre unvollständig, ohne einen Blick nach Südamerika zu werfen. Das aktuelle Agrarmodell sieht die Produktion von Soja für den globalen Markt als wesentliche Säule vor. Dabei spielen gentechnisch veränderte Sojasorten mit einer Toleranz gegenüber Glyphosat eine zentrale Rolle - mit verheerenden gesundheitlichen Auswirkungen für die lokale Bevölkerung. Als die aus Buenos Aires stammende Rechtsanwältin und Aktivistin Graciela Vizcay Gomez vor zehn Jahren begann, Glyphosat-Opfer vor Gericht zu vertreten, war die Thematik in der argentinischen Hauptstadt noch vollkommen unbekannt. Das hat sich inzwischen geändert. Die aktuelle Entscheidung der WHO-Krebsforschungsagentur, Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ einzustufen, hat weltweit wie eine Bombe eingeschlagen und bietet Gelegenheit zu einem umfassenden Wandel.

Erschienen in
GID-Ausgabe
230
vom Juli 2015
Seite 6

GID-Redaktion

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