Zwischen Ausbeutung und reproduktiver Freiheit

Feministische und kapitalismuskritische Perspektiven auf Eizelltransfer und „Leihmutterschaft“

Aufzeichnungen einer Online-Veranstaltungsreihe des Gen-ethischen Netzwerks e.V. in Kooperation mit dem Netzwerk fem*ini gegen reproduktive Ausbeutung im Herbst 2022.

Eizellen werden in flüssigem Stickstoff gelagert

Foto: © Tamara Sánchez Pérez

Die Ampelkoalition plant, Möglichkeiten zur Legalisierung der „Eizellspende“ und der angeblich altruistischen „Leihmutterschaft“ zu prüfen, wie es im Koalitionsvertrag heißt. Die Liberalisierung dieser fortpflanzungsmedizinischen Praktiken wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Es geht dabei auch immer darum, das seit 1990 geltende Embryonenschutzgesetz über Bord zu werfen. Wenig in den Blick gerät dabei, dass diese Praktiken in einem Feld kommerzialisierter Medizin etabliert werden. Es gibt auf der einen Seite die Kinderwunscheltern und auf der anderen Seite die Frauen, die diese Dienstleistungen erbringen, mit ihren jeweiligen Interessen. Es gibt vor allem aber auch diejenigen, die Körperstoffe und körperliche Dienstleistungen ökonomisch ausbeuten. Dieses Interessensgefälle wird unter den verschleiernden Begriffen „Spende“ oder „Gabe“ gesellschaftsfähig gemacht und mit Verweis auf alternative Familienformen popularisiert. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, diese Positionen zu beleuchten, um uns in die anstehenden Auseinandersetzungen kritisch einzumischen. In der Online-Veranstaltungsreihe wollten wir zu unterschiedlichen Aspekten des Themas mit eingeladenen Gästen ins Gespräch kommen.

13.10.2022, 18-20 Uhr     
Ware oder Gabe?

Vortrag und Diskussion mit Stefanie Graefe, Privatdozentin für politische Soziologie, Uni Jena, und Mona Motakef, Professorin für Soziologie der Geschlechterverhältnisse, TU Dortmund.
Vorbereitung und Moderation: Ulrike Baureithel, Sigrid Graumann, Silke Koppermann.

3.11.2022, 18-20 Uhr
Wem gehört der Körper? Zur politischen Ökonomie der Eizellspende

Vortrag und Diskussion mit Alexander Quaas, Leitender Arzt für Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie (RME), Universitätsspital Basel.
Vorbereitung und Moderation: Kathrin Braun, Erika Feyerabend, Sabine Könninger, Susanne Lettow

Die zweite Veranstaltung trug den Obertitel „Wem gehört der Körper? Zur Politischen Ökonomie der „Eizellspende". Erika Feyerabend stellte zunächst die gesellschaftspolitischen Fragen und Probleme zur Diskussion, die aus Sicht von Fem*Ini mit der Ausweitung der «Eizellspende» verbunden sind, insbesondere mit der Ideologie und Praxis eines eigentumsrechtlichen Verhältnisses zum eigenen Körper und der daraus folgenden Verbindung von Selbstvermarktung, Fremdnutzung und Ausbeutung. Der Vortrag von Alexander Quaas, der nur zu sehen ist, ging dagegen stark auf die medizinischen Grundlagen und die Verfahren von Reproduktionsmedizin und Eizellübertragung ein und skizzierte anschließend die zahlenmäßige Entwicklung der «Eizellspende» und die Funktionsweise kommerzieller Eizellbanken.

17.11.2022, 18-20 Uhr    
Der Weg zum Familienglück? Queere Perspektiven auf Reproduktionstechnologien

Vortrag und Diskussion mit Theresa Richarz, Rechtswissenschaftlerin und Geschlechterforscherin, Mitglied der Familienrechtskommission des Deutschen Juristinnenbundes.
Vorbereitung und Moderation: Susanne Schultz, Taleo Stüwe, Uta Wagenmann

Das Netzwerk Feministische Initiative gegen reproduktive Ausbeutung (fem*ini) beobachtet die europäischen und globalen Entwicklungen und Regulierungen im Bereich der Reproduktionstechnologien kritisch und positioniert sich dazu.

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Gen-ethisches Netzwerk e.V.

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4. September 2022

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