Rezension: „Sexy Rassismus“ und Eugenik
Mit „Der neue faschistische Körper“ hat die deutsch-amerikanische Historikerin Dagmar Herzog einen Essay vorgelegt, der die AfD nicht nur als eindeutig faschistisch einordnet, sondern insbesondere Behindertenfeindlichkeit als zentrales Motiv ihrer Politik herausarbeitet.
Herzog, D. (2025): Der neue faschistische Körper
Laut der Autorin lässt sich der Erfolg extrem rechter Parteien nicht ohne eine Art Lust an Gewalt und Hass erklären. Die Aufladung etwa von migrationsfeindlichen Narrativen mit der (Über-)Sexualisierung migrantischer Männer bezeichnet Herzog als „sexy Rassismus“. Im vorliegenden Buch zeichnet sie nach, wie sehr auch Behindertenfeindlichkeit mit einer Obsession mit dem perfekten, optimierten und vermeintlich „gesunden“ Körper verknüpft und erotisch aufgeladen ist. Auch wenn das Essayformat nicht den Raum für eine umfassende historische Analyse bietet, gelingt es Herzog, Kontinuitäten in der Verbindung zwischen Ideologie, Körperbild und Sexualpolitik von der NS-Zeit bis heute aufzuzeigen. Die vehemente Ablehnung jeglicher Inklusionsbestrebungen durch die AfD und die Art und Weise, wie diese etwa inklusive Beschulung als „schädlich“ für nicht behinderte Lernenden darstellt, erinnert an eine vermeintliche Bedrohung und „Verunreinigung“ des „Volkskörpers“. Was besonders bemerkenswert an Herzogs Essay ist: die Deutlichkeit, mit der sie aufzeigt, dass Behindertenfeindlichkeit und eugenisches Denken in Deutschland nie aus der gesellschaftlichen Mitte verschwunden sind – eine in der aktuellen politischen Gemengelage umso wichtigere Warnung.
Herzog, D. (2025): Der neue faschistische Körper. Wirklichkeit Books, 124 Seiten, 18,- Euro, ISBN: 978-3-94820-021-3.
Jonte Lindemann ist Mitarbeiter*in des GeN und Redakteur*in des GiD.