Rezension: Science in the Private Interest
Staatliche Forschung - private Interessen
Der Politikwissenschaftler und Biologe Sheldon Krimsky zeigt sich in seinem neuesten Buch "Science in the Private Interest" sehr besorgt über die zunehmenden Abhängigkeiten der Akteure in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen. Die Abhängigkeiten ergeben sich, so weist Krimsky nach, aus ständig zunehmenden "Conflicts of Interest". Diese entstehen, wenn zum Beispiel Forschung an Universitäten in großem Maße von Geldgebern aus der so genannten freien Wirtschaft finanziert wird. Dabei ist nach Krimsky nicht nur die Unabhängigkeit der Ergebnisse in Gefahr. Auch die Auswahl der bearbeiteten Themen folgt dem Ruf des privaten Geldes. Hier liegt - meiner Meinung nach - die Stärke des Buches: In einer langen, sehr differenzierten Reihe von Beispielen belegt Krimsky seine These von zunehmenden privaten Interessen als Motor für eine Forschung, deren Aufgabe es - unter anderem - eigentlich sein sollte, die Öffentlichkeit und die Politik zu beraten. Stattdessen beobachtet Krimsky die Zunahme von persönlichen Bereicherungen, die sich in unterschiedlichster Art und Weise darstellt: Er findet den Hochschulprofessor, der seine akademischen Ergebnisse privat vergoldet, er beschreibt den Angestellten der Gesundheits- oder Kontrollbehörde, der über die Zulassung neuer Medikamente zu entscheiden hat und sich gleichzeitig von einem Unternehmen, das ein Medikament zur Zulassung angemeldet hat, als Berater bezahlen lässt. Außerdem führt uns Krimsky durch die Liste der wissenschaftlichen Magazine, die in der einen oder anderen Weise auf die häufiger werdenden Interessenkonflikte reagieren, wohlgemerkt, mit unterschiedlicher Überzeugungungskraft. Am Schluss bleibt das Buch allerdings (überraschend) schwach: Für die Zulassungstests neuer Medikamente (‚drugs‘) fordert der Autor eine neue Behörde, ansonsten bleibt ihm nichts, als an die Ehre zu appellieren, an die Ehre der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und an die der Verantwortlichen in den Haushaltsabteilungen universitärer und anderer Forschungsinstitute.
Christof Potthof war bis Ende April 2020 Mitarbeiter im GeN und Redakteur des GID.