Nach den Patenten

Terminator-Technologien bedrohen Nahrungssouveränität

Terminator-Technologien verhindern die Auskreuzung gentechnisch veränderter Pflanzen - so die offizielle Version. Doch vor allem stellen sie eine Bedrohung für die Nahrungssouveränität dar.

Die Terminator-Technologie ist spätestens seit der nunmehr vorletzten Vertragsstaatenkonferenz der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) auch über diverse Spezialzirkel der Gentechnik- und Entwicklungs-Debatten bekannt. Im brasilianischen Curitiba hatten die Vertragsstaaten der CBD 2006 ein schon länger bestehendes De-facto-Moratorium über diese Technologie nochmals bestätigt.(1) Terminator-Technologien (unter der CBD auch GURTs - genetic use restriction technologies genannt) sind gentechnische Veränderungen, die dazu führen, dass die von Pflanzen produzierten Samen steril sind und deshalb nicht mehr als Saatgut verwendet werden können.

EU fördert Transcontainer

Etwa einen Monat nach der Konferenz der CBD-Vertragsstaaten im brasilianischen Curitiba, im Mai 2006, hat in Europa ein zunächst auf drei Jahre angelegtes Projekt begonnen, in dem Pflanzen mit genau dieser Technologie entwickelt werden sollen. Das „Transcontainer” genannte Projekt wird in weiten Teilen - das heißt mit 4,17 der insgesamt 5,38 Millionen Euro - im Rahmen des 6. EU-Forschungsrahmenprogramms von der Europäischen Union finanziert. Dreizehn Arbeitsgruppen in acht europäischen Ländern entwickeln biologische Systeme, mit denen, so die Selbstbeschreibung des Projektes, die Koexistenz von gentechnisch veränderten mit konventionellen und ökologischen Pflanzen gewährleistet werden soll. Das Transcontainer-Projekt wird von vielen Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft als eine der aktuell größten Bedrohungen der Nahrungssouveränität angesehen. Denn die Technologien bergen ein unüberschaubares Gefahrenpotential: Weltweit sind Schätzungen zufolge 1,4 Milliarden Menschen auf Saatgut, das aus der Ernte zurückbehalten wird, angewiesen. Mit den Transcontainer-Entwicklungen könnten Landwirte davon abgehalten werden, Saatgut nachzubauen, das heißt, Saatgut für das Folgejahr aus ihren Ernten zu bewahren. Doch auch wenn die im Rahmen von Transcontainer auf der Agenda stehenden Verfahren im Detail von der Technologie der ursprünglichen Terminatoren abweichen, bleibt doch der Effekt der gleiche: Ruth Tippe von der Initiative Kein Patent auf Leben! in München spricht in diesem Zusammenhang davon, dass Saatgutfirmen Methoden erhalten, die ein aufwendiges juristisches Schutzverfahren, wie es die Patentierung darstellt, überflüssig machen könnte. Eine wiederholte Nutzung des Saatgutes sei mit den Terminator-Technologien einfach nicht mehr möglich. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde dem Transcontainer-Projekt während der diesjährigen CBD-Verhandlungen der „Captain Hook Award” in der Kategorie „schlimmste Nutzung öffentlicher Förderung” verliehen. Der Preis wird von der Koalition gegen Biopiraterie vergeben, einem Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen, darunter die kanadische ETC Group und Searice von den Philippinen. Es gibt innerhalb der Zivilgesellschaft mittlerweile eine größere Bereitschaft, die Terminator-Technologien mit anderen biologischen Methoden, die Bäuerinnen und Bauern den Nachbau und die lizenzfreie Nutzung von Saatgut verwehren, in eine Reihe zu stellen. In einem Workshop, der im Mai in Bonn zu den Terminator-Technologien durchgeführt wurde, machten gerade VertreterInnen aus dem Süden, so zum Beispiel vom lateinamerikanischen Zweig der internationalen Ban-Terminator-Kampagne - eher en passant - deutlich, dass es aus ihrer Perspektive wichtig sei, die Technologien wegen ihrer möglichen sozialen Folgen zu kritisieren. Und hier unterscheiden sich Terminator-Technologie und die Verwendung von Hybrid-Saatgut kaum: Auch bei Hybriden ist der Nachbau des Saatgutes praktisch unmöglich.(2) Ob eine bestimmte biologische Neuerfindung als Terminator-Technologie im eigentlichen Sinne zu betrachten ist, ist aus der Perspektive der meisten TeilnehmerInnen des Terminatoren-Workshops auf dem Planet Diversity nebensächlich. Der Begriff „Terminator” ist in der Welt, das mag hilfreich sein, aber es besteht kein Grund, sich an eine bestimmte, sehr enge Definition zu hängen.(3)

  1. Siehe auch „Gut gekämpft - halb gewonnen” von Rudolf Buntzel im GID 176, Juni 2006, im Netz unter www.gen-ethisches-netzwerk.de.
  2. Siehe zum Beispiel Pesticide Action Network Asia Pacific, im Netz unter: www.panap.net/uploads/media/Hybrid_rice_factsheet.pdf.
  3. Siehe www.planet-diversity.org > Conference > Workshops> Terminator Technologies; Planet Diversity war Konferenz, Festival und Treffpunkt der Zivilgesellschaft parallel zu den UN-Verhandlungen über das Biosicherheits-Protokoll unter dem Dach der Biodiversitäts-Konvention.

Christof Potthof war bis Ende April 2020 Mitarbeiter im GeN und Redakteur des GID.

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
189
vom September 2008
Seite 50

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