Landwirtschaft am Tropf

Einführung

Die Welt hängt mit ihrem jetzigen Konsumverhalten am Tropf - vermutlich nicht nur an einem. An dem der steten Soja-Produktion aber auf jeden Fall. Die Pflanze war eine der ersten, die gentechnisch verändert wurde. Mit und ohne gentechnische Veränderung erlebt sie derzeit einen Boom.

Die Pflanzensorte, die sich Martha Mertens in ihrem Beitrag vorgenommen hat, wächst weltweit auf mehr als 50 Millionen Hektar. RoundupReady-Soja der Firma Monsanto wird bereits seit 1996 angebaut und gehört damit zu der ersten Generation gentechnisch veränderter Pflanzen. Sie muss sich in Europa einer Prüfung unterziehen, um hier auch in Zukunft verkauft werden zu können. Dass es gute Gründe gibt, die Genehmigung nicht zu verlängern, wird in dem Beitrag schnell deutlich.

Farmer als Versuchskaninchen

Ein großer Teil der weltweiten gv-Soja-Anbaufläche - etwa die Hälfte - befindet sich in den USA. Bill Wenzel von der Nationalen Koalition landwirtschaftlicher Familienbetriebe (National Family Farmers Coalition - NFFC) berichtet von einer gewissen Normalität beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in den USA. Er macht aber deutlich, dass die Landwirte damals bei der Einführung dieser Pflanzen die Versuchskaninchen waren. Heute, so sagt Bill Wenzel im Interview, gehöre es zu seinen wichtigsten Aufgaben, daran zu arbeiten, dass keine weiteren major crops, keine weiteren wichtigen Nutzpflanzen US-amerikanischer Farmer als gentechnisch veränderte Varianten für den kommerziellen Anbau zugelassen werden.

Soja in Südamerika

Nina Holland beschäftigt sich auch mit den Realitäten des Anbaus von gv-Soja. Nirgendwo auf der Welt hat er vermutlich so prägende Auswirkungen hinterlassen, wie in Südamerika. Dass sich die Industrie, die großen Saatgut-Unternehmen, der Agrarhandel und neuerdings auch Firmen aus dem Energiesektor nun mit wenigen Nichtregierungsorganisationen darum bemühen, ein Zertifikat zu entwickeln, mit dem sie ihre desaströsen Anbauformen grünwaschen können, verwundert nicht, wird es doch in der Wirtschaft immer wichtiger, sich als verantwortungsvoll handelndes Unternehmen darzustellen. Der Runde Tisch für verantwortliche Soja ist der Ort, an dem das Zertifikat erarbeitet wird - aber nicht der Ort für grundsätzliche Fragen.

Immer häufiger Verunreinigungen

Theresia Scheierling hat sich die Veröffentlichungen der deutschen Kontrollbehörden angesehen, die dokumentieren, ob und in welchem Umfang gentechnisch veränderte Soja in Lebens- und Futtermitteln zu finden sind. Das ernüchternde Ergebnis, welches sich schon in den vergangenen Jahren abzeichnete: Immer häufiger finden sich Verunreinigungen. Diese Tatsache wird durch die Höhe der Kennzeichnungsgrenze von 0,9 Prozent für die Konsumentinnen und Konsumenten verschleiert - der Gesetzgeber ist aber schon jetzt gefragt. Da Kontaminationen augenscheinlich nicht verhindert werden können, dürfen keine weiteren Sorten zugelassen werden.

Lobby-Kampagne

Keine Kontaminationen legalisieren! - Das fordern auch Gentechnik-kritische Verbände anlässlich einer Lobby-Kampagne der Futtermittel- und Agrarhandelskonzerne. Diese wollen Verunreinigungen mit in der Europäischen Union nicht zugelassenen GVO in Spuren akzeptieren und drängen die Politik in Brüssel und den Hauptstädten der EU-Mitgliedstaaten. Die Einführung der so genannten RoundupReady-2-Sojabohne von Monsanto in den USA und Südamerika bildet den Anlass für den Versuch der Unternehmen, einen weiteren Schritt in Richtung einer mit GVO kontaminierten Land- und Lebensmittelwirtschaft voran zu kommen - auch Orwellsches doppeldenk wird dabei nicht gescheut. Die Dokumentation liefert die Hintergründe.

GID-Redaktion

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
189
vom September 2008
Seite 4

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